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Planung zur Dekarboni­sierung von kommunalen Fahrzeug­flotten



Die langfristige Klimastrategie 2050 des Bundes sieht vor, dass auch die Fahrzeugflotten der kantonale Behörden und Gemeinden mit alternativen Antriebstechnologien ausgerüstet und über erneuerbare Energien angetrieben werden müssen, respektive bis 2030 bereits eine Halbierung erreicht werden muss. Eine langfristige Roadmap schafft Perspektiven.

Worum es bei der Dekarbonisierung der Verwaltung geht

Zur ausgezeichneten Lebensqualität des Kantons Luzern leisten in den diversen Verwaltungsorganisationen über 6’000 Menschen täglich ihren Beitrag. Mitgezählt zum öffentlichen Sektor werden zudem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 80 Luzerner Gemeinden. Gemeinsam fahren sie jährlich mehrere Millionen Kilometer im Rahmen ihrer Tätigkeit – die Fahrten von und zur Arbeit nicht eingerechnet.

Den Luzerner Verwaltungen beim Kanton und den Gemeinden stehen heute 2’884 Fahrzeuge zur Verfügung (Basis: Immatrikulationen, Stand April 2024 1). 93.6 % dieser Fahrzeuge werden fossil angetrieben. Kurzfristig ist hier keine signifikante Änderung zu erwarten. Denn Personenwagen werden im Schweizer Schnitt nach rund 9 Jahren ersetzt. Und die Lebensdauer von Spezialfahrzeugen wie Schneepflüge oder Löschfahrzeuge ist ungleich länger.

Zudem ist es auch nicht sinnvoll, sämtliche Fahrzeuge innerhalb kurzer Zeit vollständig zu ersetzen. Doch kann bereits heute ein kontinuierlicher, tragbarer und auf die gesetzlich verankerten Umweltziele abgestimmter Ersatz geplant werden.

Obwohl genauere Zahlen zum Modalitätsmix nicht bekannt sind, so wird aus den vorhandenen Daten ersichtlich, dass die heutige Mobilität der Verwaltung mit grosser Wahrscheinlichkeit einen signifikanten Anteil im Gesamtfussabdruck ausmacht.

Warum das wichtig ist

Bei der Mobilität steht der Kanton Luzern vor grossen Herausforderungen. Immer mehr Menschen sind mobil und immer mehr Güter werden bewegt, der Platz jedoch bleibt knapp. Umso wichtiger ist es, dass die bestehende Infrastruktur effizient genutzt und das Mobilitätsverhalten überdacht wird. Der Luzerner Regierungsrat geht diese Herausforderung mit dem Projekt «Zukunft Mobilität im Kanton Luzern (Zumolu)» an.

Die öffentliche Verwaltung ist aufgerufen, diese Transformation mit gutem Beispiel anzuführen. Die Dekarbonisierung von kommunalen Fahrzeugflotten bildet dabei nur einen Aspekt unter vielen – doch einen mit grossem Hebel.

Wenn wir nun die langen Zyklen in der Ersatzbeschaffung einer Fahrzeugflotte betrachten, wird schnell klar, dass die Ziele nicht eingehalten werden können, zu denen sich die Schweiz verpflichtet hat und die zurzeit in geltendes Recht umgewandelt werden: Bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 halbiert, bis 2050 auf netto Null gesenkt werden.

Nadia Hofstetter
«Bei der Dekarbonisierung und Erreichung der Schweizer Klimaziele ist der öffentliche Sektor als Vorreiter bei der Dekarbonisierung der Gesellschaft gefragt. Die Mobilität birgt dazu grosses Potential.»
Nadia Hofstetter

«Bei der Dekarbonisierung und Erreichung der Schweizer Klimaziele ist der öffentliche Sektor als Vorreiter bei der Dekarbonisierung der Gesellschaft gefragt. Die Mobilität birgt dazu grosses Potential.»

Wie es weitergehen kann

Die Fahrzeugflotte von Kanton und Gemeinden kann nicht von heute auf morgen durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden. Das ist weder realistisch noch wünschenswert. Stattdessen lässt sich mit differenzierten und cleveren Ansätzen mehr erreichen.

Ein möglicher Ansatz ist jener, der sich die Entwicklung einer individuellen Roadmap zur Dekarbonisierung der benötigten Mobilität zum Ziel setzt. Dies beinhaltet eine Analyse der diverse Fahrzeugtypen, die technische Machbarkeit, die Kosten, die Ökobilanz, die Marktverfügbarkeit und weitere Faktoren. So wird für eine Verwaltungsorganisation oder Gemeinde klar ersichtlich, mit welchen Technologien und für welchen Fahrzeugtyp sie zu welchem Zeitpunkt das Netto-Null Ziel erreichen kann. 

Doch damit ist die Analyse noch nicht erschöpft. Übergeordnet stellen sich weitere Themen zur Disposition: 

  • Welcher Mix an Fahrzeugen wird künftig tatsächlich benötigt? 
  • Lassen sich Nutz- und Spezialfahrzeuge mit anderen Gemeinden teilen? 
  • Können Occasionsfahrzeuge die Zeit bis zum nächsten Technologiesprung überbrücken? 
  • Können öffentliche Sharing Modelle genutzt werden? 
  • Lässt sich eine Flotte sinnvoll mit E-Bikes ergänzt? 
  • Wurde das Potential des öV in Betracht gezogen?

Diese beispielhaften Fragen gehen über den Kern der eigentlichen Fahrzeugflotte hinaus. Sie berücksichtigen weitere Aspekte wie Veränderungen im Mobilitätsverhalten, Kooperation, Betrachtung von grauer Energie, Sharing etc.  

All dies lässt sich unter dem Begriff der «Mobilitätssuffizienz» zusammenfassen. Suffizienz⁠ leitet sich vom lateinischen «sufficere» für genügen oder ausreichen ab. Es handelt sich um eine Nachhaltigkeitsstrategie, bei der durch politisches und planerisches Handeln Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ein verändertes Mobilitätsverhalten fördert. Eine gute, unterstützende Kommunikation kann ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Realisierung sein. Ziele und Massnahmen für nachhaltige Mobilität sollten transparent, klar und selbstbewusst kommuniziert werden.

Nicht zuletzt kann eine weitsichtige und umfassende Betrachtung der aktuellen und künftigen Bedürfnisse und Nutzungsszenarien auch dazu führen, dass bestehende Parkierungsflächen neuen Zwecken zugeführt werden können.  


1 Daten zu Fahrzeugflotte Kanton und Gemeinden Luzern:

  • Total immatrikulierte FZ: 2884
  • davon Gemeinden: 2089
  • davon Kanton: 795
  • Gesamtanteil Elektro-Autos: 185
  • davon Gemeinden 131
  • davon Kanton 54 

Quelle: Stabsdienste des Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern, April 2024

Fazit

Die Planung zur Dekarbonisierung einer Fahrzeugflotte kann einen wichtigen Impuls liefern und aufzeigen, welch enormes Potential in der Energie- und Flächeneffizienz einer solchen Strategie langfristig steckt. Zudem schafft sie konkrete Entscheidungsgrundlagen für die Exekutive: Szenarien, Kosten, Ökobilanzen, technische Machbarkeit, Energiebedarf u.v.m. 

Wird die Strategie anschliessend implementiert, so schafft dies wiederum ein starkes Signal an Wirtschaft und Bevölkerung und zeigt auf, welche konkreten Massnahmen auf dem Weg zu einer Netto-Null-Strategie im operativen Tagesgeschäft umgesetzt werden können.